Die meisten Leute fliegen nach Benidorm, lassen sich am Levante-Strand nieder, trinken Sangria, bis die Sonne untergeht, und fliegen nach Hause, in dem Glauben, sie hätten schon alles gesehen. Das haben sie nicht. Nicht einmal annähernd. Denn das Beste, der Teil, der mich richtig in diesen Ort verliebt hat, ist die Altstadt von Benidorm.
Die Einheimischen haben ein Sprichwort: „Wer es kennt, geht hin.“ Und ganz ehrlich? Sobald du mit einer kalten Caña in der Hand durch die engen Gassen der Altstadt geschlendert bist und vom Balcón del Mediterráneo aus zugesehen hast, wie die Sonne im Mittelmeer versinkt, wirst du dich fragen, warum du so viel Zeit am Strand verbracht hast. Dies ist mein Reiseführer für das Benidorm, das die meisten Besucher komplett verpassen.
Warum die Altstadt von Benidorm eine ganz andere Welt ist als die Neustadt
Wir sprechen hier von einem richtigen spanischen Viertel, das auf einer felsigen Landzunge namens Cerro Canfali thront, genau zwischen den Stränden Levante und Poniente.
Statt britischer Pubs und ganztägigem Frühstück findest du hier ein Labyrinth aus weiß getünchten Gassen, traditionellen Tapas-Bars, die sich bis auf den Bürgersteig erstrecken, und kleinen Läden, die Dinge verkaufen, die keine aufblasbaren Flamingos sind. Das Tempo ist langsamer. Die Preise sind niedriger. Es ist die Art von Ort, an dem du um eine Ecke biegst und plötzlich ein Gitarrist vor einer winzigen Bodega Flamenco spielt.
Tapas-Gasse: Calle Santo Domingo und wo man essen kann
Mitten im Herzen der Altstadt von Benidorm gibt es eine Fußgängerzone namens Calle Santo Domingo – obwohl jeder sie einfach Tapas-Gasse nennt. Auf beiden Seiten der Straße reihen sich Kneipen und Restaurants aneinander, deren Theken mit herrlichen Tapas- und Montaditos-Auslagen bestückt sind. Die Spanier haben ein altes Sprichwort: „La comida entra por los ojos“, was so viel bedeutet wie: Das Essen geht durch die Augen. Nirgendwo trifft das mehr zu als hier.
Du findest sie direkt hinter der Plaza de la Constitución, leicht zu Fuß vom Levante- oder Poniente-Strand aus zu erreichen. Der Eintritt ist frei. Komm einfach vorbei, such dir eine Bar aus und zeig auf das, was dir gefällt. Die Preise sind angemessen. Ein Teller Tapas und ein Bier für ein paar Pfund? Das ist genau die Art von Rechnung, die mir gefällt.
Ein paar Lokale, die du kennen solltest. La Rana macht die besten Knoblauchgarnelen in der Altstadt – richtig knoblauchlastig, in Olivenöl schwimmend, perfekt mit Brot aufgetunkt. Tasca y Basta ist genial für traditionelle Tapas, gut gemacht und ohne Schnickschnack.
Für ein bisschen von allem ist das Amigos Bistro von Nas & Dino eine sichere Wahl mit einer schönen Terrasse. Ehrlich gesagt gibt es in der Tapas-Gasse keine schlechte Wahl. Folge einfach deiner Nase.
Der Balcón del Mediterráneo: Piraten, Kanonen und der beste Ausblick der Stadt
Geh weiter durch die Altstadt in Richtung Meer und du erreichst den Ort, der für mich der mit Abstand beste Aussichtspunkt an der gesamten Costa Blanca ist: der Balcón del Mediterráneo. Es ist ein fünfeckiger Aussichtspunkt an der äußersten Spitze des Cerro Canfali, der auf einer felsigen Klippe thront, die direkt ins Wasser ragt. Auf der einen Seite erstreckt sich der Levante-Strand über fast zwei Kilometer. Auf der anderen Seite schwingt sich der Poniente-Strand in Richtung Yachthafen. Und direkt vor dir erstreckt sich das Mittelmeer bis ins Unendliche.
Hier gibt es auch eine schöne romantische Tradition. Auf der Plaza del Castillo befestigen Paare Vorhängeschlösser am Brunnen, schreiben ihre Namen auf das Metall, bevor sie es verschließen und den Schlüssel hineinwerfen. Es ist ein bisschen kitschig, ich weiß. Aber dort bei Sonnenuntergang mit jemandem zu stehen, den du liebst, und auf eine der schönsten Küsten Europas zu blicken? Da nehme ich den Kitsch gerne in Kauf.
Die Kirche San Jaime und Santa Ana
Bevor du den Balcón erreichst, kommst du an dem Platz vorbei, an dem die Kirche San Jaime und Santa Ana am höchsten Punkt der Altstadt steht. Du kannst sie nicht übersehen. Ihre blaue Keramikkuppel fängt das Licht ein und ist kilometerweit sichtbar. Sie ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Benidorm und wacht seit ihrer Errichtung zwischen 1740 und 1780 über die Stadt.
Die Einwohner von Benidorm sahen darin ein Zeichen, und die Virgen del Sufragio wurde zur Schutzpatronin der Stadt. Die Kirche wurde ihr zu Ehren erbaut, und du kannst die originale geschnitzte Figur noch immer in einer Glasvitrine in der Kapelle sehen.
Die Insel von Benidorm und die Legende vom Riesen
Vom Balcón del Mediterráneo aus kannst du die Insel von Benidorm in der Bucht nicht übersehen, ein dramatischer Felsbrocken, der etwa 65.000 Quadratmeter bedeckt. Du kannst vom Yachthafen aus mit dem Boot dorthin fahren. Aber das Beste ist die Legende.
Wenn du ins Landesinnere schaust, siehst du den Puig Campana, einen massiven Berg mit einer markanten Kerbe, die aus seinem Gipfel herausgeschnitten ist. Einem lokalen Mythos zufolge schlug ein Riese namens Roldán in einem Wutanfall mit seinem Schwert auf den Berggipfel ein. Das Stück, das er abspaltete, flog durch die Luft, stürzte ins Meer und wurde zur Insel Benidorm.
Beste Reisezeit und praktische Tipps
- Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang ist die beste Zeit für den Balcón. Das Licht ist traumhaft und die Fotos werden zehnmal besser.
- Vormittags vor Mittag ist ideal für einen entspannten Bummel durch die Straßen der Altstadt ohne Menschenmassen.
- Mai bis Oktober ist die lebhafteste Zeit. Im Sommer (Juli–August) ist es zwar voll, aber die Atmosphäre ist elektrisierend.
- Ab 21 Uhr erwacht die Tapas-Gasse zum Leben. Künstler bauen ihre Stände auf den Plätzen auf, Musiker spielen, und in der ganzen Gegend herrscht eine herrliche gesellige Stimmung.
- Anreise: Vom Levante-Strand aus gehst du bis zum Ende der Promenade und folgst den Schildern hinauf durch die Altstadt. Vom Poniente-Strand aus gehst du am Yachthafen vorbei und die Treppe von Mal Pas-Strand hinauf.
Die Altstadt lässt sich am besten zu Fuß erkunden. Die Gassen sind eng und für den Verkehr gesperrt, was den halben Charme ausmacht. Wenn du Benidorm als Ausgangspunkt nutzt und andere Juwelen der Costa Blanca wie Altea, Guadalest oder Villajoyosa erkunden möchtest, macht es dir das Leben viel leichter, ein Auto bei Rentiago zu mieten. Rentiago betreibt zwei Abholstationen in Benidorm und dank der Alles-inklusive-Preise gibt es keine bösen Überraschungen.



